Start-up: Preisgekrönter „Schwarzer Walfisch Gin“ aus Bergfelde

Überzeugt von seinem Gin: Bjarne Hutmacher ist Gründer und Inhaber von "Schwarzer Walfisch Gin". "Mittlerweile gab es Bestellungen aus jeder deutschen Großstadt", freut er sich.
Marco Winkler„Im schwarzen Walfisch zu Askalon“ ist ein Spottlied aus dem Jahr 1783. „Es geht um einen Kneipengast, der sich unrühmlich betrinkt. In jeder Strophe wird er auf andere Weise rausgeschmissen“, erklärt Bjarne Hutmacher den Ursprung seines Gin-Namens. Das Lied kennt der Hobby-Segler und Ruderer von der See. Leichte Ironie und viel Nachhaltigkeit schwingen beim Namen mit: Für jede verkaufte Flasche spendet er jeweils einen Euro an die Seehundstation Friedrichskoog und einen an den NABU Schleswig-Holstein, aus sozialer Verantwortung und Verbundenheit zu seiner alten Heimat.
In dieser Woche übergibt er Spenden in Höhe von jeweils 1 000 Euro an beide Organisationen. Er wollte sich später nicht den Vorwurf des „Greenwashings“ gefallen lassen, bei dem Unternehmen unter anderem nur deshalb umweltfreundlich agieren, um gute PR zu bekommen. „Als Start-up hatte ich die Chance, von Anfang an eine klare Aussage zu treffen und meine Linie zu fahren.“ Es sei kein Marketing-Gin, sondern einer mit Charakter.
Familiär gab die Linie wohl der Vater als Diplombraumeister vor. Im Urlaub (Schottland, Schweden, England) ließ die Familie Destillen nicht aus. „Mein Vater erfreut sich an guten Produkten.“ Meist ist das Whiskey. Die Wertschätzung der Getränkekultur, auch der ausgeprägten in Deutschland, wurde dem jungen Gründer quasi in die Wiege gelegt. Ihn überzeugte jedoch nicht der väterliche Whiskey, sondern eine Spirituose für ein jüngeres Publikum: Gin.
Der erste Gin-Tonic, ein Freund mit Gin-Faible, eine Flasche zum Geburtstag, Tastings, viel Neugier. „Gin muss Spaß machen“, sagt der Marie-Curie-Abiturient. Irgendwann nahm der Durst nach mehr Wissen zu. Im Studium (Journalismus- und Unternehmenskommunikation – erst in Kiel, jetzt in Berlin) kristallisierte sich der Wunsch nach einer eigenen Marke heraus. Investoren und einige Kontakte machten es möglich.
Destilliert wird sein Walfisch-Gin in der Schwechower Obstbrennerei im Mecklenburgischen Elbetal zwischen Hamburg und Schwerin. „Familie und Freunde waren Feuer und Flamme“, erinnert sich Bjarne Hutmacher ans Gründungsjahr 2018. „Die Fallhöhe war natürlich brutal.“
Doch noch immer helfen alle mit, die Eltern zu Hause und die Freundin. Auf die familiäre Unterstützung ist er stolz. „Ich hätte es nicht besser treffen können“, so der eingetragene Kaufmann, der derzeit seine Bachelor-Arbeit schreibt. Seine Gründung konnte er als Praxis-Semester an der Hochschule anschreiben lassen. Einen eigenen Laden könnte er sich vorstellen, vielleicht in Hohen Neuendorf. „Das ist schon ein kleiner Traum.“
Sein Gin ist komplett von Hand gefertigt, abgefüllt, zugekorkt, etikettiert. Bjarne Hutmacher und seine Freundin beschriften die kleinen Chargen. Hinter dem maritimen Gedanken – eine leichte, salzige Brise soll Genießern um die Ohren wehen – stecken Produkte, die einen kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen: Wacholder in Bio-Qualität, Sanddornbeeren von der Küste Mecklenburgs, Quellwasser aus Deutschland, Zuckertang (Algen) aus der Kieler Bucht, Versandkartons aus Lüneburg.
Ein Bio-Siegel gibt es nicht. Dafür reicht die Menge der natürlichen Zutaten nicht aus. „Produktion und Versand sind aber plastikfrei. Unsere 6er-Kartons zum Verschicken bestehen zu 30 Prozent aus brachliegendem Gras.“ Natürlichkeit stehe an erster Stelle. Schließlich sei der „Schwarze Walfisch“ von Seewind und Meeresrauschen inspiriert, so der junge Bergfelder.